Die letzten drei Spiele hat der VfB Stuttgart allesamt gewonnen. Im Tor stand dabei Sven Ulreich, aber seine Zeit ist trotz guter Leistungen vorbei. Denn die Sperre von Jens Lehmann ist abgelaufen, und Trainer Christian Gross setzt auf den Routinier. Dabei wird längst schon über die Torwart-Nachfolge diskutiert.
Stuttgart gegen Dortmund: Sonntag ab 15.30 Uhr hier live
Der junge Mann bewältigte die ihm gestellte Aufgabe über alle Maßen zufrieden stellend. Drei Spiele lang vertrag Sven Ulreich sein Vorbild Jens Lehmann im Tor des VfB Stuttgart. Die Schwaben gewannen alle drei Partien und Ulreich riskierte für den Erfolg sogar seine Gesundheit. Als der 21-Jährige am 18. Spieltag kurz vor Schlusspfiff mit einem Spieler der TSG Hoffenheim zusammengeprallt war, hielt er in der Folge noch ein paar Bälle und wurde im Anschluss mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert. An den Spielverlauf konnte er sich später nicht mehr erinnern.
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Herr Lehmann
Elfmeterkiller, Rotsünder und viele Ausraster
Es dürfte kurzfristig die letzte Heldentat Ulreichs gewesen sein. Nach der Roten Karte in Mainz und drei Spielen Sperre kehrt Lehmann am Sonntag gegen Borussia Dortmund ins VfB-Tor zurück. Für Trainer Christian Gross stand dies nie zur Diskussion: „Er ist unsere Nummer eins und wenn nichts dazwischen kommt, wird er bis Saisonende im Tor stehen.“ Der Trainer ist überzeugt, dass Lehmann aus der insgesamt fünften Rotsperre seiner Karriere gelernt hat und mit den besten Vorsätzen die letzten vier Monate seiner Laufbahn angeht. „Es ist viel auf ihn eingestürzt im Dezember. Aber ich bin überzeugt, dass er einen guten Abschluss haben will und alles dafür tut“, sagt Gross.
Tatsächlich war Lehmann zuletzt zum Problemfall geworden. Der „Pipi-Affäre“ in der Europa League gegen Urziceni, als er angeblich hinter eine Werbebande pinkelte, folgte der Ausraster in Mainz. Dort trat er Aristide Bance aus Rache auf den Fuß, weil der Stürmer ihn zuvor gefoult hatte. Er sah Rot, der anschließende Elfmeter kostete Stuttgart beim 1:1 zwei Punkte – und Lehmann viel Reputation.
Zu allem Überfluss folgte auch noch Lehmanns peinliche Stadionflucht per Taxi. Der Torwart, der schon vorher bei zahleichen Gelegenheiten aus der Rolle gefallen war, entging nur knapp dem Rauswurf. Der Verein verhängte eine hohe Geldstrafe und strich Privilegien, die ihm der ehemalige Teamchef Markus Babbel eingeräumt hatte. So muss er seither auch sonntags zum Auslaufen erscheinen; allerdings nur nach Niederlagen.
„Die Stelle wird neu besetzt“
Diese Maßnahmen scheinen ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Nach einem Gespräch mit Gross und Manager Horst Heldt vermittelt der egozentrische Ballfänger neuerdings den Eindruck, als sei er geläutert. Lehmann trainiert nun sogar nach siegreichen Spielen, an denen er sich eigentlich seiner Familie widmen dürfte. Das wird beim VfB mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen: „Erst Teamgeist macht eine Mannschaft richtig stark, da gehört auch Jens dazu“, sagte Gross.
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Auf seine alten Torwart-Tage ist das Spiel gegen Dortmund für Lehmann ein Neuanfang – für seinen Stellvertreter Sven Ulreich beginnt hingegen wieder die Zeit des Wartens. Obwohl er sich dreimal wärmstens empfohlen hat, scheint Gross für die nächste Saison erneut auf einen erfahrenen Schlussmann zu setzen. Er sagt: „Sven gehört die Zukunft. Ungewiss ist aber noch, wann diese Ära beginnt.“
Dass der Trainer dabei an eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Lehmann denkt, scheint ausgeschlossen. Manager Heldt hat bereits festgelegt: „Die Stelle wird neu besetzt.“ Die Frage ist nur: mit wem? Lässt der VfB den jungen Ulreich spielen? Die Beispiele von Rene Adler (Leverkusen) und Manuel Neuer (Schalke) zeigen, wie schnell sich Torhüter entwickeln können, wenn sie Vertrauen bekommen. Oder holt der Verein eine neue Nummer eins? Da ist das missglückte Gastspiel von Raphael Schäfer aus Nürnberg in der Saison 2007/08 noch im Hinterkopf. Der ehemalige Trainer Armin Veh zog den Routinier dem damals 19-jährigen Ulreich vor – und wurde enttäuscht.
Auf der Kandidatenliste ganz oben steht Jaroslav Drobny. Der Keeper, der bei Hertha BSC Gespräche über eine Vertragsverlängerung ablehnt, ist im Sommer ablösefrei zu haben. Eine Rückkehr von Timo Hildebrand, derzeit in Hoffenheim, erscheint dagegen weniger realistisch. Dessen Vertrag verlängert sich demnächst automatisch um ein Jahr, wenn er eine bestimmte Anzahl von Pflichtspieleinsätzen erreicht. Das macht ihn teuer.
„Wir werden demnächst eine Grundsatzentscheidung treffen“, sagt Horst Heldt, „wir brauchen nach Lehmann auf jeden Fall einen dritten Torhüter neben Sven Ulreich und Alexander Stolz.“ Das könnte auch ein erfahrener Ersatzmann sein, der keine hohen Ansprüche stellt. Der ehemalige Nationaltorwart Toni Schumacher hat sich dazu aus der Jecken-Hochburg Köln zu Wort gemeldet: „Wie wäre es, wenn sich Jens Lehmann in der kommenden Saison beim VfB auf die Bank setzt?“ Ein Vorschlag, der allerdings eher unter die Rubrik „Karnevalsscherz“ fällt.
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Der unberechenbare Jens Lehmann kehrt zurück

Die letzten drei Spiele hat der VfB Stuttgart allesamt gewonnen. Im Tor stand dabei Sven Ulreich, aber seine Zeit ist trotz guter Leistungen vorbei. Denn die Sperre von Jens Lehmann ist abgelaufen, und Trainer Christian Gross setzt auf den Routinier. Dabei wird längst schon über die Torwart-Nachfolge diskutiert.
Stuttgart gegen Dortmund: Sonntag ab 15.30 Uhr hier live
Der junge Mann bewältigte die ihm gestellte Aufgabe über alle Maßen zufrieden stellend. Drei Spiele lang vertrag Sven Ulreich sein Vorbild Jens Lehmann im Tor des VfB Stuttgart. Die Schwaben gewannen alle drei Partien und Ulreich riskierte für den Erfolg sogar seine Gesundheit. Als der 21-Jährige am 18. Spieltag kurz vor Schlusspfiff mit einem Spieler der TSG Hoffenheim zusammengeprallt war, hielt er in der Folge noch ein paar Bälle und wurde im Anschluss mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert. An den Spielverlauf konnte er sich später nicht mehr erinnern.
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Was Sie über den 20. Spieltag wissen müssen
Herr Lehmann
Elfmeterkiller, Rotsünder und viele Ausraster
Es dürfte kurzfristig die letzte Heldentat Ulreichs gewesen sein. Nach der Roten Karte in Mainz und drei Spielen Sperre kehrt Lehmann am Sonntag gegen Borussia Dortmund ins VfB-Tor zurück. Für Trainer Christian Gross stand dies nie zur Diskussion: „Er ist unsere Nummer eins und wenn nichts dazwischen kommt, wird er bis Saisonende im Tor stehen.“ Der Trainer ist überzeugt, dass Lehmann aus der insgesamt fünften Rotsperre seiner Karriere gelernt hat und mit den besten Vorsätzen die letzten vier Monate seiner Laufbahn angeht. „Es ist viel auf ihn eingestürzt im Dezember. Aber ich bin überzeugt, dass er einen guten Abschluss haben will und alles dafür tut“, sagt Gross.
Tatsächlich war Lehmann zuletzt zum Problemfall geworden. Der „Pipi-Affäre“ in der Europa League gegen Urziceni, als er angeblich hinter eine Werbebande pinkelte, folgte der Ausraster in Mainz. Dort trat er Aristide Bance aus Rache auf den Fuß, weil der Stürmer ihn zuvor gefoult hatte. Er sah Rot, der anschließende Elfmeter kostete Stuttgart beim 1:1 zwei Punkte – und Lehmann viel Reputation.
Zu allem Überfluss folgte auch noch Lehmanns peinliche Stadionflucht per Taxi. Der Torwart, der schon vorher bei zahleichen Gelegenheiten aus der Rolle gefallen war, entging nur knapp dem Rauswurf. Der Verein verhängte eine hohe Geldstrafe und strich Privilegien, die ihm der ehemalige Teamchef Markus Babbel eingeräumt hatte. So muss er seither auch sonntags zum Auslaufen erscheinen; allerdings nur nach Niederlagen.
„Die Stelle wird neu besetzt“
Diese Maßnahmen scheinen ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Nach einem Gespräch mit Gross und Manager Horst Heldt vermittelt der egozentrische Ballfänger neuerdings den Eindruck, als sei er geläutert. Lehmann trainiert nun sogar nach siegreichen Spielen, an denen er sich eigentlich seiner Familie widmen dürfte. Das wird beim VfB mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen: „Erst Teamgeist macht eine Mannschaft richtig stark, da gehört auch Jens dazu“, sagte Gross.
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HSV rettet Remis gegen Wolfsburg in letzter Minute „Hamburger SV muss in die Champions League” St. Pauli ist spitze – Duisburg und Cottbus verlieren Frustrierte Werder-Profis hetzen gegen Schaaf Müller macht sich keine Gedanken über die WM Bayern debattiert über Arjen Robbens Unterhosen Slomka trifft Hecking – Kellerduell unter Freunden Bei Eintracht Frankfurt ist Fußball auch Kunst Zaccheroni neuer Trainer bei Juventus Turin
Auf seine alten Torwart-Tage ist das Spiel gegen Dortmund für Lehmann ein Neuanfang – für seinen Stellvertreter Sven Ulreich beginnt hingegen wieder die Zeit des Wartens. Obwohl er sich dreimal wärmstens empfohlen hat, scheint Gross für die nächste Saison erneut auf einen erfahrenen Schlussmann zu setzen. Er sagt: „Sven gehört die Zukunft. Ungewiss ist aber noch, wann diese Ära beginnt.“
Dass der Trainer dabei an eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Lehmann denkt, scheint ausgeschlossen. Manager Heldt hat bereits festgelegt: „Die Stelle wird neu besetzt.“ Die Frage ist nur: mit wem? Lässt der VfB den jungen Ulreich spielen? Die Beispiele von Rene Adler (Leverkusen) und Manuel Neuer (Schalke) zeigen, wie schnell sich Torhüter entwickeln können, wenn sie Vertrauen bekommen. Oder holt der Verein eine neue Nummer eins? Da ist das missglückte Gastspiel von Raphael Schäfer aus Nürnberg in der Saison 2007/08 noch im Hinterkopf. Der ehemalige Trainer Armin Veh zog den Routinier dem damals 19-jährigen Ulreich vor – und wurde enttäuscht.
Auf der Kandidatenliste ganz oben steht Jaroslav Drobny. Der Keeper, der bei Hertha BSC Gespräche über eine Vertragsverlängerung ablehnt, ist im Sommer ablösefrei zu haben. Eine Rückkehr von Timo Hildebrand, derzeit in Hoffenheim, erscheint dagegen weniger realistisch. Dessen Vertrag verlängert sich demnächst automatisch um ein Jahr, wenn er eine bestimmte Anzahl von Pflichtspieleinsätzen erreicht. Das macht ihn teuer.
„Wir werden demnächst eine Grundsatzentscheidung treffen“, sagt Horst Heldt, „wir brauchen nach Lehmann auf jeden Fall einen dritten Torhüter neben Sven Ulreich und Alexander Stolz.“ Das könnte auch ein erfahrener Ersatzmann sein, der keine hohen Ansprüche stellt. Der ehemalige Nationaltorwart Toni Schumacher hat sich dazu aus der Jecken-Hochburg Köln zu Wort gemeldet: „Wie wäre es, wenn sich Jens Lehmann in der kommenden Saison beim VfB auf die Bank setzt?“ Ein Vorschlag, der allerdings eher unter die Rubrik „Karnevalsscherz“ fällt.
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Postat de pe data de 31 dec., 2009 in categoria România în lume. Poti urmari comentariile acestui articol prin RSS 2.0. Acest articol a fost vizualizat de 73 ori.

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